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UBS herb abgestraft - Credit Suisse wieder weit voran

Die Schweizer Großbank UBS schließt erneut mit Milliarden-Verlust ab. Dividende gibt es nicht, dafür wieder mehr Boni für die Banker. An der Börse zieht Konkurrent Credit Suisse weiter davon.
UBS-Chef Oswald Grübel
09.02.2010 | 18:49
Oswald Grübel, der Ex-Credit Suisse-Chef an der Spitze der Schweizer Großbank UBS, legte am Dienstag seine erste, mit Spannung erwartete Jahresbilanz vor. Analysten hatten den Konzernverlust auf 2,9 bis 3,9 Milliarden Franken taxiert, den Gewinn im vierten Quartal auf etwa 400 Millionen Franken. Grübels Zahlen übertreffen die Erwartungen: UBS erzielte 1,205 Milliarden Franken Gewinn im Schlussquartal. Das liegt nicht nur weit über dem Analysten-Konsens, sondern auch deutlich über der höchsten Schätzung, die von knapp einer Milliarden Franken Quartalsgewinn ausgegangen war. Das Jahr 2009 endete mit einem Verlust von lediglich 2,736 Milliarden Franken - 21,3 Milliarden Franken Verlust hatte es 2008 gegeben.
Grübel in einer ersten Stellungnahme: "Anfang 2009 war die Krise auf ihrem Höhepunkt. Ende letztes Jahr ist UBS in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat damit eines ihrer prioritären Ziele erreicht. Wir haben die Transformation von UBS mit Entschlossenheit vorangetrieben, und die Bank ist heute fokussiert, effizient und robust. Wir erwarten, dass mit der Rückkehr zur Profitabilität auch das Kundenvertrauen und unsere Reputation wieder steigen."
Für die Bank wird 2010 erstmals seit 2006 wieder ein Gewinn greifbar. Unter Konzernchef Grübel, seit knapp einem Jahr an der Spitze, wurden toxische Anlagen von 38,7 Milliarden Dollar in einen Fonds der Schweizerischen Nationalbank ausgelagert, 18.500 Stellen gestrichen und elf neue Manager in die Konzernleitung geholt. "Grübel hat die Dinge unter Kontrolle", meint Jörg De Vries-Hippen, Leiter Anlagestrategie Europäische Aktien bei Allianz Global Investors in Frankfurt. Und: "Es gibt Licht am Ende des Tunnels."
Freilich: Nicht alle Zahlen werden positiv gehen. Der anhaltende Nettoneugeld-Abfluss wird als erschreckend gewertet. Allein im vierten Quartal summierten sie sich auf 56,2 Milliarden Franken. Die Folge: Die UBS-Aktie startete mit Abschlägen von vier Prozent in den Handelstag. Sie war damit Top-Verlierer im europäischen Bankensektor. Auf der Gegenseite übrigens: die Erste Group mit mehr als zwei Prozent Kursgewinn im Frühhandel. Sie war damit Topperformer. 
Die Kursverluste bei UBS weiteten sich bis Abend auf 5,37 Prozent aus.  Von Analysten-Seite gab es erste Statements. Commerzbank bestätigte die Hold-Einstufung, Kursziel 19 Franken, DZ Bank blieb bei Sell und 16 Franken, WestLB bei Reduce und gar nur 13,50 Franken.
Jedenfalls: UBS war Topverlierer im europäischen Bankensektor sowie im Züricher Leitindex SMI. Der Börsewert des Konzerns liegt bei 49,4 Milliarden Franken. Hauptkonkurrent Credit Suisse, am Montag "nur" mit 1,4 Milliarden Franken Börsewert voran, hat den Abstand bis Handelsschluss auf 5,1 Milliarden Franken ausbauen können.
Credit Suisse war am Dienstag zeitweise mit mehr als drei Prozent im Plus. Die Vorfreude auf die von Konzernchef Brady Dougan am Donnertag zu verkündenden Gewinnzahlen sind unübersehbar. Von Credit Suisse erwarten Analaysten rund 1,283 Milliarden Franken Gewinn im vierten Quartal - mehr als sieben Milliarden Franken im Gesamtjahr 2009.
Für die UBS-Aktionäre heißt es freilich weiterhin Warten auf eine Dividende. Für 2009 wird keine ausgeschüttet. Besser dran sind die Banker der UBS. Die Boni-Zahlungen stiegen im Vorjahr um 34 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken, nachdem sie 2008 um 78 Prozent auf 2,16 Milliarden Franken zusammengestutzt worden waren. Einschränkend sagte dazu Finanzchef John Cryan in einer Telefonkonferenz: "Drei Milliarden Franken sind verbucht, das heisst nicht, dass die Angestellten auch genau diesen Betrag erhalten. Er machte auch keine Angaben, ob außer Konzernchef Grübel weitere hohe Führungskräfte der Bank auf Boni verzichten.
Die wichtigsten Eckdaten zum vierten Quartal: Der Vorsteuergewinn von Wealth Management & Swiss Bank stieg um 40 Prozent auf 792 Millionen Franken, jener von Wealth Management Americas um 62 Prozent auf 178 Millionen Franken. Global Asset Management verdoppelte das Vorsteuerergebnis auf 284 Millionen Franken, die Investment Bank dreht ihr Ergebnis von minus 1,37 Milliarden auf plus 297 Millionen Franken. Corporate Center wies einen Vorsteuerverlust auf fortzuführenden Geschäften von 956 Millionen Franken aus. Es wurde dabei eine Steuergutschrift von 480 Millionen Franken berücksichtigt, zurückzuführen hauptsächlich auf Neubewertung latenter Steuerverpflichtungen in den USA.
Im Gesamtjahr belief sich der operative Vorsteuerverlust auf 1,4 Milliarden Franken. Es entstand die grösste buchhalterische Belastung durch Verluste auf eigenen Schuldtiteln, die als finanzielle Verpflichtungen zum Fair Value verbucht wurden. Diese Verluste auf eigenen Verbindlichkeiten sind auf die verbesserte Wahrnehmung der Kreditwürdigkeit von UBS im Jahr 2009 zurückzuführen - eine zwar positive Entwicklung, die jedoch eine Nettobelastung von zwei Milliarden zur Folge hatte. Die anderen Posten betrafen einen Verlust im Zusammenhang mit dem Abschluss des Verkaufs von UBS Pactual (1,4 Milliarden), Restrukturierungskosten (0,8 Milliarden) sowie einen Gewinn im Zusammenhang mit der Pflichtwandelanleihe, die zuvor von der Schweizerischen Eidgenossenschaft gehalten worden war und im August 2009 gewandelt wurde (0,3 Milliarden Franken).
UBS hat im Vorjahr 16 Prozent der Belegschaft abgebaut und beschäft nun rund 65.000 Mitarbeiter. Die Fixkosten konnten um 20,2 Milliarden Franken gesenkt werden. Dies entspricht den für 2010 festgelegten Zielvorgaben.
Neugeldabfluss erschreckend hoch
Die Bilanzsumme zu Jahresende betrug 1341 Milliarden Franken - minus 33 Prozent. Die risikogewichteten Aktiven reduzierten sich um 32 Prozent. Der Abfluss von Neugeldern setzte sich weiter fort, in doppeltem Tempo wie erwartet, was von manchen Analysten als "erschreckend" bezeichnet wird: Im Wealth Management & Swiss Bank stieg er im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal von 16,7 auf 33,2 Milliarden Franken. Bei internationalen Kunden beliefen sich die Abflüsse auf 27,3 Milliarden Franken. In Wealth Management Americas stieg der Neugeldabfluss im im Quartalsvergleich von 9,9 auf zwölf Milliarden Franken. Global Asset Management verzeichnete Neugeldabflüsse von elf Milliarden Franken. Das verwaltetet Vermögen belief sich auf 2233 Milliarden Franken.
Der Kampf gegn Nettoneugeldabflüsse hat weiterhin Priorität, denn: "Für die unmittelbare Zukunft ist nach wie vor mit einer negativen Neugeldentwicklung zu rechnen, verbunden mit einem gewissen Margendruck", räumt UBS-Chef Grübel ein. Die Ergebnisse der Investment Bank seien immer stark von der Verfassung der Märkte abhängig, im Jänner seien die Kundenaktivitäten hoch gewesen, sagt er. Er geht davon aus, dass sich die Performance der Investment Bank im Gesamtjahr 2010 insgesamt verbessern werde.
 
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